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Kooperative Alto Sajama

Bolivien - Das Land in Stichworten

Bolivien hat eine Fläche von 1.098.581 Quadratkilometern, die in drei topographische und klimatische Großräume unterteilt ist: das Hochland, die Tiefebene und die Täler der Anden. Die Mehrheit der Bevölkerung ist indianischer Herkunft, 30 Prozent sind Mestizen und 14 Prozent Weiße. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas wurde auch in Bolivien die Volkswirtschaft seit 1985 weitgehend liberalisiert. Die Stabilisierungserfolge wurden mit enormen sozialen Kosten erkauft. So liegt die Lebenserwartung der Bevölkerung bei 61 Jahren (bei Minenarbeitern nur bei 30 Jahren), die Analphabetenrate beträgt im ländlichen Raum 47 Prozent, zwei Drittel der Analphabeten sind Frauen. Etwa 80 Prozent der ländlichen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, die informelle Ökonomie hat dramatisch zugenommen. Zudem hat sich die Kokainwirtschaft zu einem sehr bedeutenden Sektor der Volkswirtschaft entwickelt. Bolivien zählt heute zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas.

Die Organisation

Kooperative Alto Sajama (Cooperativa Agropecuaria y Comercialización Alto
Sajama)
Die 1977 von 20 Kleinbauern gegründete Kooperative setzt sich für die Verbesserung der ökonomischen und sozialen Situation der Bewohner der Provinz Caranavi ein. Diese gehört zu den Yungas von La Paz. Da die Region gut für den Anbau von Kaffee geeignet ist, fördert die Kooperative Alto Sajama besonders dessen Anbau. Die Mitglieder leben und arbeiten in Dörfern, die etwa 35 Kilometer von der Provinzhauptstadt Caranavi entfernt liegen und nach etwa 2,5 Stunden Busfahrt erreicht werden.
Sie sind in der Generalversammlung vertreten, dem höchsten beschlussfassenden Organ der Kooperative, dessen Mitglieder sowohl den Vorstand als auch den Aufsichtsrat bestimmen. Alle Mitglieder können in der Generalversammlung mitdiskutieren, aber nur diejenigen, die Kaffee abgeliefert haben, können auch abstimmen. Zudem wurden Mitglieder der Komitees für Ausbildung, Vermarktung und Öko-Anbau gewählt. Der gepa-Mehrpreis wird für die Förderung des ökologischen Anbaues eingesetzt, zur Ausbildung von Frauen in Ernährungs- und Gesundheitsfragen, für den Erhalt einer kleinen Krankenstation, sowie zur Kapitalbildung der Kooperative verwendet. Da der ökologische Anbau für die Kooperative Alto Sajama eine große Rolle spielt, ist sie neben der eigenen Arbeit Mitglied der Organisation der Bioproduzenten
Boliviens (AOPEB). Außerdem ist Alto Sajama noch Mitglied des nationalen
Verbandes der Kooperativen und des Verbands der Kaffee-Exporteure.
Die Kooperative bietet ihren Mitgliedern Schulungen unter anderem zu folgenden Themen an: Praktische Umsetzung des Genossenschaftsgedankens, Vor- und Nachbereitung des Kaffees, Schutz der Böden, Forstwirtschaft und Anbau zusätzlicher Kulturpflanzen.

Die Produzenten

Die Mitglieder sind teilweise bis 1984 aus anderen Teilen des Landes in die
Yungas, den tropischen Landesteil, eingewandert. Ihnen wurde in den Orten Alto Sajama und Villa El Carmen etwa 742 Hektar Land zu Verfügung gestellt, das die inzwischen 71 Mitglieder zählende Kooperative bewirtschaftet. Unter den Mitgliedern von Alto Sajama sind drei Frauen. Die Parzellen liegen nicht weit von einander entfernt, etwa 100 Meter, was die Zusammenarbeit erleichtert. Neben Kaffee bauen sie noch Hibiskus für den Inlandsmarkt sowie Gemüse für die eigene Ernährung an. Sowohl für den Eigenverbrauch als auch für den lokalen Markt wachsen Mais und Bananen auf ihren Feldern. Etwa die Hälfte der Mitglieder bewirtschaftet bis zu zwei Hektar Land, die andere Hälfte bis zu vier Hektar und nur Wenigen stehen bis zu zehn Hektar Land zu Verfügung.
Die Kooperative hat festgelegt, dass die Bauern zum Beispiel 1999/2000 für einen Zentner Kaffee 94 US-Dollar erhalten haben. Die Produktionskosten des Bauern lagen in diesem Jahr etwa bei 80 US-Dollar. Zudem wurde sowohl der gepa-Entwicklungsaufschlag von fünf US-Dollar als auch der gepa-Bioaufschlag von 15 US-Dollar direkt an die Mitglieder ausgezahlt. Insgesamt erhielt also ein Bauer für einen Zentner Biokaffee im Jahr 1999/2000 114 US-Dollar, falls er ihn über die Kooperative an die gepa verkauft hat. Für den Transport im Inland, die
Aufbereitung des Kaffees und die Exportabwicklung benötigt die Kooperative im
Schnitt 27 US-Dollar für einen Zentner Rohkaffee.

Produktion und Vermarktung

In einer Höhe von etwa 1.500 Metern bauen die Mitglieder der Kooperative Alto
Sajama seit 1994 Kaffee nach den Prinzipien des ökologischen Anbaus an. Dabei handelt es sich um die Kaffeeart „Arabica tipica“. Der Kaffee wird zwischen Juni und November geerntet. Die Jahrestemperatur in der Kaffeeregion liegt zwischen 20 und 23 Grad Celsius und im Schnitt fallen in diesem subtropischen Gebiet 3.000 Milliliter Regen pro Jahr. Die nachhaltige Bodennutzung ist für die Mitglieder der Kooperative von großer Bedeutung. Alle Bauern werden zum Beispiel darin ausgebildet, wie die Böden durch das Pflanzen von Sträuchern als Windbrecher und durch Bodendecker geschützt werden können. Dabei werden sie von dem Institut Care Bolivia beraten.
Der Ökoanbau erfolgt nach den Richtlinien von IFOAM, der internationalen
Vereinigung der Bioproduzenten und dessen bolivianischem Mitglied AOPEB.
Zertifiziert wird der Biokaffee von der darauf spezialisierten bolivianischen
Organisation BOLICERT. Um den Kaffee zum Verarbeiter zu transportieren, verfügt die Kooperative bislang noch über keine eigene Transportmöglichkeit, so dass sie – wie bei der Verarbeitungsanlage – auf die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen angewiesen ist. Die Kooperative hat jedoch bereits eine eigene Lagerhalle für Biokaffee und ein weiterer Ausbau der Infrastruktur ist geplant. Insgesamt bietet die Kooperative „Alto Sajama“ derzeit mehr als 2.000 Sack Rohkaffee (á 69 Kilogramm) an, denn die mit Kaffeesträuchern bebaute Fläche beläuft sich auf mehr als 180 Hektar. An die gepa liefert die Kooperative seit 1998 Kaffee, im Jahr 1999/2000 waren es etwa 250 Sack und im Jahr 2000/2001 ebenso.

Alto Sajama exportiert zudem Kaffee in die USA.

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