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Kaffee aus Honduras - die Kooperative RAOS

Honduras

Das Land in Stichworten

Das mittelamerikanische Land ist das Paradebeispiel einer „Bananenrepublik“,
sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne: Seine Integration in den
Weltmarkt erfolgte ausschließlich über die Bananenproduktion, auf deren
Erfordernisse auch die Infrastruktur des Landes schwerpunktmäßig abgestimmt
ist; zum Zweiten ist Honduras weitgehend ökonomisch, politisch und militärisch
von den USA abhängig. Letzteres wurde besonders in den 80-er Jahren
deutlich, als während des „Contrakrieges“ im benachbarten Nicaragua
Honduras zur militärischen Plattform der USA in der Region wurde. Traditionell
ist Honduras ein Agrarland mit einer deutlichen Zweiteilung in den
agrarindustriellen, exportorientierten Sektor und die traditionelle
Subsistenzwirtschaft in kleinbäuerlichen Betrieben. Die durchschnittliche
Analphabetenrate liegt bei 30 Prozent, wobei ein starkes Stadt-Land-Gefälle
herrscht.

Die Organisation

RAOS (Cooperativa Regional Mixta de Agricultores Organicos de la Sierra)

Im Jahr 1997 machte sich eine Produzentengruppe der Kooperative CARMOL
im Bezirk La Florida selbstständig. Die Gruppe hat früher Kaffee auf
konventionelle Art angebaut, sich dann aber mit anderen
Produzentengruppen aus dem Ort Marcala, die bereits Erfahrungen mit dem
ökologischen Anbau gesammelt hatten, zu RAOS zusammengeschlossen. Eine
deutsche Entwicklungshelferin begleitete den Aufbau dieser neuen
Organisation und war beratend bei der Umstellung auf eine ökologische
Landwirtschaft ebenso behilflich wie bei der späteren Vermarktung des ersten
honduranischen Biokaffees in Deutschland.
Waren es anfangs 19 Kaffeebauern, die nach den Richtlinien des
ökologischen Anbaus produzieren, so hat sich deren Zahl inzwischen auf 32
erhöht. Insgesamt gehören zu dieser Kleinbauernorganisation also etwa 1.500
Menschen, sowohl die etwa 232 Mitglieder selbst als auch deren Familien. Sie
sind im westlichen Teil des Landes zu Hause, im Hochland des Bezirkes La Paz
und zwar in den Gemeinden Marcala, San Jose, Santa Maria, Chinacla,
Cabanas und Santa Ana. Abgesehen von der lokalen Bioproduktion und der
Aufnahme ins FLO-Register (FLO ist die Fair Trade Labeling Organisation) war
RAOS zudem auf nationaler Ebene an der Ausarbeitung eines Gesetzes
beteiligt, das die Bioproduktion in Honduras regelt. Die Kooperative ist Mitglied
des nationalen Institutes für ökologische Landwirtschaft (IHNAO) und förderte
zudem den Aufbau einer weiteren Bioproduzentenorganisation.

Die Produzenten

Die meisten RAOS-Mitglieder gehören entweder der Ethnie der Lenca an oder
sind Mestizen. Der Bezirk La Paz gehört zu den ärmsten Regionen des Landes.
Die Bauern haben weniger als fünf Manzanas (etwa 3,5 Hektar) Land. Neben
Kaffee werden auch Mais, Bohnen und Gemüse für den täglichen Bedarf angebaut, sowie Orangen und Bananen. In La Paz wird seit mehr als 60
Jahren Kaffee gebaut.
Die Bauern von RAOS konnten mit Hilfe des Fairen Handels eine Vielzahl an
Erfahrungen machen: Anbau von Biokaffee, Gewinnung von Bio-Dünger,
Verhinderung von Erosion der Böden, Bekämpfung von Krankheiten und
Schädlingen mit biologischen Mitteln, Ausweitung der lokalen Produktion auf
Apfelsinenwein und Seife, Erhalt der eigenen Exportgenehmigung und vieles
mehr.
Die Mitglieder von RAOS erhielten von ihrer Organisation im Jahr 2001 87 USDollar
für einen Zentner Rohkaffee plus die GEPA Bio-Prämie von 15 US-Dollar,
also insgesamt 102 US-Dollar für diese Kaffeemenge – mehr als das Doppelte
des damaligen Weltmarktpreises . Die Kosten von RAOS unter anderem für die
Verarbeitung und die Exportabwicklung belaufen sich pro Zentner im Schnitt
auf 39 US-Dollar. Der deutlich höhere Kaffeepreis führte dazu, dass sich die
Lebensbedingungen der Bauernfamilien verbesserten: die Häuser, das
tägliche Essen und die Kleidung. Samuel Zelaya, der Präsident von RAOS sagt
dazu: „Wir nehmen jetzt am Fairen Handel teil und dadurch erfahren wir als
Kleinbauern eine sehr große Unterstützung, denn wir können dadurch unsere
Bio-Produkte zu besseren Preisen in Europa vermarkten. Die Produzenten
fühlen sich dadurch in ihren Bemühungen gestärkt. Mit diesem fairen Preis für
Biokaffee kann man nicht nur die anfallenden Kosten für die Parzellen
bezahlen, sondern es bleibt sogar noch ein Gewinn übrig, der zur
Verbesserung der Lebensbedingungen der Familien führt.“ Die Frauen wurden
in den Prozess der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von
Bioprodukten von Anfang an miteinbezogen.

Eugenio Dominguez

Das RAOS-Mitglied lebt in der Gemeinde El Cerro, Marcala, La Paz Honduras.
Dort wurde der 39-Jährige geboren. Mit seiner Frau Maria Esperanza hat er
sechs Kinder, vier Mädchen und zwei Jungen. Maria Esperanza und Eugenio
Dominguez können zwar lesen und schreiben, doch hatten sie keine
Möglichkeit auf eine weiterführende Schule zu gehen. Auf ihrem Land
wachsen Kaffee, Mais, Bohnen, Obst und Zitrusfrüchte, die in erster Linie für
den eigenen Bedarf gedacht sind.
Eugenio Dominguez war bereits seit 1994 für CARMOL als Koordinator tätig,
doch nicht alle Mitglieder waren an der Umstellung auf eine ökologische
Landwirtschaft interessiert. So gründete er mit sieben weiteren ehemalige
CARMOL-Mitgliedern zusammen eine eigene Organisation, die sich dem
Bioanbau verschrieben hat: RAOS. Die Landparzellen wurden von Bio Latina,
einer mittelamerikanischen Organisation zertifiziert. Beraten und finanziell
unterstützt wurde RAOS dabei maßgeblich vom Deutschen
Entwicklungsdienst (DED). Drei Jahre später konnte RAOS die ersten 32 Sack
Bio-Kaffee nach Deutschland exportieren. „Das war eine gute Erfahrung,
denn wir merkten, dass unsere mühevolle Arbeit finanziell anerkannt wird und
gleichzeitig konnten wir unsere Umwelt schützen. Das hat uns sehr motiviert
weiter zu machen.“ Im Kaffeejahr 2000-2001 konnte Eugenio Dominguez allein
24 Zentner Rohkaffee abliefern. „Auf meinem Land baue ich nur noch
Biokaffee an. Ich erhalte inzwischen häufig Besuch von Kleinbauern aus Honduras und anderen Ländern, denn meine Parzelle gilt als vorbildlich.
Darauf bin ich sehr stolz. Der DED unterstützt uns bei den
Fortbildungsmaßnahmen. Diese Organisation fördert uns seit der Gründung
finanziell und organisatorisch. Nur dadurch konnten wir den Bio-Kaffee an die
GEPA exportieren.“ Der Kleinbauer aus Honduras wünscht sich für seine
Kinder, dass sie studieren können und kein so ein eingeschränktes Leben
führen müssen wie er. „Ich selbst werde immer meine Parzelle bebauen und
dadurch für meine Kindern eine intakte Umwelt erhalten, die sie zukünftig
gesünder leben lässt“.

Produktion und Vermarktung

Die Temperaturen bewegen sich im Hochland von Honduras zwischen 18 und
30 Grad Celsius. Auf einer Höhe von 1.200 bis 1.650 Metern bauen dort die
RAOS-Mitglieder ihren Kaffee an, besonders die Sorten „Café Genuino
Marcala“ und „Café Marcala Occidente“. Dieser Biokaffee wird unter
anderem „Café Aymara“ und „Agenda21- Bio-Kaffee“ beigemischt.
„Für RAOS war die Produktion der ersten 32 Zentner Bio Kaffee eine
Herausforderung, denn es gab in Honduras bis dahin keinerlei Erfahrung beim
Anbau von Bio-Kaffee. Wir mussten hart arbeiten, um Erfolg in der Produktion
und Vermarktung zu haben. Doch wenn es schon einen vorbereiteten Weg
wie den Fairen Handel gibt, dann stellt sich der Erfolg durch die gegeseitige
Hilfe ein,“ so Samuel Zelaya.
© GEPA 2001

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