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Bei MainKaffee-Bauern in Mexiko

von Jutta Ulmer (www.lobOlmo.de)

Der Hang ist steil. Mühsam bewegt sich Dominga von Kaffeebusch zu Kaffeebusch. Sie pflückt rote Kaffeekirschen und legt sie vorsichtig in einen Erntekorb, den sie um ihre Hüften gebunden hat. „Wir bauen ausschließlich edlen Arabica-Kaffee an und produzieren hier in 1.500 Metern Höhe beste Hochlandqualität", erklärt Dominga stolz. Früher hat das Kaffeefeld ihr und ihrem Mann gehört. Seit dessen Tod ist Sohn Juan Guillermo Besitzer der winzigen Plantage. Bei der Kaffeeernte helfen aber alle mit: Mutter Dominga, Schwager Antonio, Cousin Abel, Nachbarn und Freunde. Juan Guillermo ist Mitglied in der Unión de Cafetaleros Orgánicos de Angel Albino Corzo, kurz UCOAAC genannt, deren Kaffeebohnen im MainKaffee sind. Das ist Frankfurts fair gehandelter und bio-zertifizierter Stadtkaffee. Er wurde 2007 in der Mainmetropole eingeführt und enthält Kaffeebohnen von sieben lateinamerikanischen Kleinbauern-Kooperativen. Eine davon ist UCOAAC, die ihren Sitz in der südmexikanischen Stadt Jaltenango hat. Juan Guillermos Kaffeefeld ist zwei Autostunden von der Zentrale entfernt. Er freut sich, dass ich, eine Bürgerin Frankfurts, zu Gast bin, und den Weg seines Kaffees aus den Bergen Chiapas ins weit entfernte Deutschland verfolgen will.

„In einer Kaffeekirsche befinden sich zwei Kaffeebohnen, die aus der Fruchthaut herausgeschält werden müssen", doziert Juan Guillermo. „Das machen wir hier auf dem Kaffeefeld. Komm, ich zeig dir unsere Schälmaschine." Erst vor einem Jahr hat Juan Guillermo die alte handbetriebene durch eine motorbetriebene Schälmaschine ersetzt. Fachgerechte Beratung und einen Kredit für diese Anschaffung erhielt er von UCOAAC. Aus der Fruchthaut macht er organischen Dünger. Die Kaffeebohnen werden mehrmals gewaschen und dann in sein ärmliches Häuschen transportiert. Nach zwei Tagen Fermentation legt er die Bohnen auf dem Flachdach seines Hauses zum Trocknen in der Sonne aus. Wenn sie den entsprechenden Trocknungsgrad erreicht haben, werden sie in Säcke verpackt und im Wohnzimmer sicher zwischengelagert.

Während mir Juan Guillermo die Schritte der Kaffeeaufbereitung erklärt, fragt mich seine Mutter, ob ich gemeinsam mit ihnen etwas essen möchte. Kaum habe ich die Einladung angenommen, wird auch schon ein Huhn geschlachtet, gerupft, zerteilt und in einen Kochtopf gegeben. Eine Stunde später steht eine leckere Hühnersuppe mit selbstgemachten Tortillas (Maisfladen) auf dem Tisch, die ich zusammen mit der Großfamilie einnehme. „Unsere kleine Hühnerzucht haben wir dem Fairen Handel zu verdanken", sagt Juan Guillermos Ehefrau Rosa strahlend. „Fairhandelsorganisationen bezahlen nämlich nicht nur einen gerechten Preis für unseren Kaffee, sondern auch eine Zusatzprämie für Gemeinschaftsprojekte." So erhielt jede Mitgliedsfamilie vor zwei Jahren von UCOAAC ein paar Küken, um eine Hühnerzucht für den Eigenbedarf aufzubauen. Mit der Zusatzprämie wird auch das Kreditprogramm finanziert, das Juan Guillermo für die Anschaffung seiner neuen Kaffeeschälmaschine in Anspruch genommen hat. Denn Kleinbauern wie er erhalten von der Bank keine Darlehen. Außerdem hat UCOAAC einen gemeinschaftlichen LKW angeschafft, mit dem die fermentierten und getrockneten Kaffeebohnen von den Häusern der Mitglieder ins Rohkaffeelager in Jaltenango gebracht werden. Früher musste sich jeder Bauer um den Transport selbst kümmern. Stundenlange Märsche zu Fuß und zu Pferd waren die Regel.

In der UCOAAC-Zentrale findet eine Qualitätskontrolle statt. Jedem Kaffeesack wird eine Probe entnommen und geprüft. Entspricht der Kaffee den Qualitätsanforderungen, wird er exportiert. Guadalupe ist für die Vermarktung des Rohkaffees verantwortlich, der ausschließlich aus biologischem Anbau stammt. Verkauft wird die Ernte der 105 UCOAAC-Mitglieder vor allem an Fairhandelsorganisationen. Im Gegensatz zum konventionellen Handel bezahlt der Faire Handel einen Mindestpreis für Kaffee, der über dem stark schwankenden Weltmarktpreis liegt. Außerdem garantiert er langfristige Handelsbeziehungen. Hinzu kommt die Zusatzprämie für Gemeinschaftsprojekte. „Es ist gut, dass wir uns zusammengeschlossen und UCOAAC gegründet haben. Früher mussten wir unseren Kaffee an die Coyoten verkaufen. Die haben den Preis diktiert und unseren Verdienst gedrückt. Heute verhandeln wir direkt mit unseren Kunden und brauchen keine Zwischenhändler. Dank des Fairen Handels geht es uns allen viel besser. Wir sind zwar immer noch arm, können unsere Kinder aber in die Schule schicken, haben zu essen und ein Haus", so Guadalupe.

Die Bauern UCOAACs liefern in der Zentrale Kaffeebohnen mit Pergamenthaut ab, die vor dem Export entfernt werden muss. Diesen Arbeitsschritt übernimmt der Dachverband FIECH in Chiapas Hauptstadt Tuxtla Gutierrez. In der verbandseigenen Verarbeitungsanlage werden die Bohnen außerdem gereinigt, nach Größe sortiert, verpackt und dann auf Weltreise geschickt. In Deutschland importiert die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt, kurz GEPA genannt, Kaffeebohnen von UCOAAC, röstet sie und mischt den MainKaffee. Die „Frankfurter Fairmischung" kann in Frankfurts Weltläden, Naturkostläden und Reformhäusern gekauft werden. Wer MainKaffee trinkt, leistet einen Beitrag zu einer gerechteren Welt.

Ich habe zwei Päckchen MainKaffee im Reisegepäck und überreiche sie den Mitgliedern UCOAACs in ihrem Rohkaffeelager. Alle sind vom Design begeistert und sehen zum erste Mal, wie ihr Kaffee in Deutschland auf den Markt kommt. Besonders angetan sind die Kleinbauern vom riesigen Messeturm, der das MainKaffee-Päckchen ziert.

Von der Bohne bis zur Tasse ....

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