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Kaffee aus Nicaragua: Faire Partnerschaft – in guten wie
in schlechten Zeiten

Aus: GEPA Infodienst 1/2005

„Dass die Handelspartner in Nicaragua ihre gesamten Schulden bei uns zurückgezahlt haben, ist eine enorme Leistung. Vor allem ist dies Fatima Ismael, Geschäftsführerin von SOPPEXCA, zu verdanken, die das Heft in die Hand genommen hat.“ So beschreibt Hans-Jürgen Wozniak als Produktmanager Kaffee das positive Ende einer schwierigen Phase einer Partnerschaft. Die Handelspartner aus Nicaragua waren bei der GEPA 1996 hoch verschuldet. Auf stolze 175.198 US-Dollar belief sich damals die gesamte Summe. Das habe ihm damals einige schlaflose Nächte bereitet, so Hans-Jürgen Wozniak. Für ein nicht Profit orientiertes Unternehmen wie die GEPA ist dies eine stolze Summe, besonders aber auch für unsere Handelspartner. Die Kaffee-Kooperativen hatten zwar die Vorfinanzierung der GEPA in Anspruchgenommen, konnten aber ihre Lieferverträge nicht erfüllen.

Deshalb wurde zwischen der GEPA und den Partnern in Nicaragua das sogenannte „Kölner Abkommen“ geschlossen, benannt nach der Stadt, in der später der Weltwirtschaftsgipfel stattfand. In diesem Abkommen vereinbarten beide Seiten die Rückzahlung eines Teils der Schulden für die nächsten vier Jahre. Der Börsenpreis plus die Hälfte der Differenz zwischen Börsenpreis und fairem Mindestpreis sollten weiterhin an die Kaffeebauern in Nicaragua gehen. Die andere Hälfte der Differenz zwischen Börsenpreis und fairem Mindestpreis sollte der Tilgung der Schulden bei der GEPA dienen. Auf Zinsen verzichtete die GEPA. Da allerdings die Differenz zwischen Weltmarktpreis und Fairem Preis in diesen vier Jahren gering war, konnte die Kooperative nach vier Jahren nur circa ein Drittel der geschuldeten Summe zurückzahlen. Damit hätten die Handelspartner das „Kölner Abkommen“ erfüllt, und die verbleibenden Summe wäre zu Lasten der GEPA gegangen.

Doch damit waren die Geschäftsführerin von SOPPEXCA und der Vorstand der Genossenschaft nicht einverstanden. Fatima Ismael bestand darauf, alles zurückzuzahlen. Da in den darauf folgenden Jahren die Differenz zwischen Weltmarktpreis und fairem Kaffeepreis immer stärker wuchs, konnten die GEPA-Schulden schneller als ursprünglich erwartet abgetragen werden. Im Jahr 2004 wurden dann alle Schulden bis auf den letzten Cent zurückbezahlt. Dieses ungewöhnliche Engagement wird von der GEPA honoriert. Die Nicaragua-Kaffees, die die GEPA verarbeitet, werden überwiegend von SOPPEXCA und COSATIN bezogen.

Die Gründe, die damals zu den Schulden bei der GEPA geführt haben, waren vielschichtig. Zum einen kletterte der Kaffeepreis an der Börse innerhalb weniger Monate von 126 US-Dollar auf über 200 US-Dollar. Da sich dies schnell auf die Preise der Zwischenhändler in Nicaragua auswirkte, verkauften die einzelnen Bauern ihren Kaffee daraufhin nicht mehr an die Kooperativen, sondern direkt an die kommerziellen Händler. Dies brachte die Kooperativen in ziemliche Schwierigkeiten, da die Vorstände bereits Lieferverträge unterzeichnet und auf dieser Basis von uns eine Vorfinanzierung erhalten hatten. Ein Problem war sicher, dass die Bindung der Bauern an die Kooperative nicht ausgeprägt war. Die Kooperativen waren aber auch teilweise so verschuldet, dass sie Schwierigkeiten hatten, zum Beispiel Bankkredite zurückzuzahlen. Als dann die überraschende Entwicklung des Kaffeepreises an der Börse dazukam, mussten Kooperativen wie JIPROCOOP 1996 Konkurs anmelden. Doch die neu gegründeten Organisationen in
Nicaragua haben aus den Erfahrungen ihrer Vorgängerinnen gelernt.

Frauen im Kaffeesektor

Seit Mitte der 90er-Jahre übernehmen in Nicaragua verstärkt Frauen Führungspositionen im Kaffeesektor. So wurde Sonja Fuentes 1997 zur ersten Präsidentin einer Kaffee-Kooperative in Nicaragua gewählt – wahrscheinlich sogar eine Ausnahme in ganz Mittelamerika. Sie leitete die „Cooperativa de Café“ in San Juan de Río Coco im Norden Nicaraguas. Leider hat diese Kooperative die folgende schwierige Zeit im Kaffeegeschäft in Nicaragua nicht überlebt. Wie damals Sonja Fuentes, die in einer finanziell schwierigen Zeit gewählt wurde, übernahm auch Fatima Ismael ihr Amt als Geschäftsführerin in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. Sie ist bis heute Chefin. Fatima Ismael leitet die Kaffee-Kooperative SOPPEXCA mit Sitz in Jinotega, einer Stadt im wichtigsten Kaffeeanbaugebiet im Norden Nicaraguas. Im Kaffeesektor ist eine Frau in dieser Position besonders bemerkenswert, denn das Land gehört in der Regel den männlichen Familienmitgliedern. Daher sind die Männer in den Kooperativen Mitglied und nicht ihre Frauen. Frauen leisten Familienarbeit, arbeiten in eigenen Kaffeefeldern oder als Saisonarbeiterin auf den großen Kaffeeplantagen. Bei SOPPEXCA ist alles ein bisschen anders: Rund 40 Prozent der Mitglieder sind Frauen, die Geschäftsführerin und drei von fünf Vorständen auch. Sind Frauen als Führungskräfte vielleicht eine positive Auswirkung der sandinistischen Politik in Nicaragua? Die Situation der Frauen in der Gesellschaft wurde jedenfalls wie in keinem anderen mittelamerikanischen Land von der Politik thematisiert. Außerdem wurde unter der sandinistischen Regierung besonderer Wert auf Ausbildung und Gesundheitsversorgung gelegt, unabhängig vom Geschlecht und dem Einkommen. Und unabhängige Frauen wie die bekannte Schriftstellerin Gioconda Belli sind Vorbilder für die nächste Generation. Bei SOPPEXCA gibt es eine Mädchengruppe. Wie wird alles in zehn Jahren aussehen?
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